Raus aus der Prokrastinationsfalle

Positive Disziplin als Chance – persönlich und im Kita-Team

Neues Jahr, neue Ziele, neue Energie – zumindest in der Theorie.
In der Praxis meldet sich bei vielen zuerst ein anderes Gefühl: keine Lust.

„Jetzt nicht.“
„Morgen bin ich bestimmt motivierter.“
„Das hat noch Zeit.“

Was sich kurzfristig wie Selbstfürsorge anfühlt, entpuppt sich langfristig oft als Belastung. Unerledigte Aufgaben verschwinden nicht – sie bleiben im Kopf, kosten Energie und rauben Fokus. Nicht das Tun erschöpft uns, sondern das ständige Aufschieben.

Prokrastination: Wenn Gefühle das Steuer übernehmen

Prokrastination entsteht häufig dann, wenn wir uns ausschließlich an momentanen Bedürfnissen und Stimmungen orientieren. Das Problem dabei: Gefühle wechseln – Verantwortung bleibt.

Wer Entscheidungen immer vertagt, überlässt sein Handeln dem Zufall der eigenen Tagesform. Das erzeugt Druck, innere Unruhe und das Gefühl, „nie fertig zu werden“.

Hier setzt positive Disziplin an – nicht als Härte, sondern als Orientierung.

Was positive Disziplin wirklich bedeutet

Disziplin hat ein schlechtes Image. Sie gilt als streng, unnachgiebig oder autoritär. In einer zeitgemäßen, positiven Lesart ist sie jedoch genau das Gegenteil:

Positive Disziplin bedeutet Klarheit statt Zwang.

Sie beruht auf drei zentralen Säulen:

  • Selbstverantwortung
    Ich entscheide bewusst, statt mich von Stimmung oder Widerstand treiben zu lassen.
  • Verlässlichkeit
    Ich halte Absprachen ein – auch mir selbst gegenüber. Gerade an Tagen ohne Motivation.
  • Freiheit
    Ich schließe Aufgaben ab und trage sie nicht dauerhaft mental mit mir herum.

Disziplin ist damit kein Gegenspieler von Selbstbestimmung – sie ist ihre Voraussetzung.

Positive Disziplin im Kita-Team

Auch im pädagogischen Alltag zeigt sich Prokrastination – oft leise:

  • Gespräche werden vertagt.
  • Entscheidungen bleiben liegen.
  • Unklare Zuständigkeiten „schwimmen mit“.

Das kostet Teams Kraft und Vertrauen.

Positive Disziplin im Team heißt:

  • Dinge ansprechen, bevor sie sich verhärten
  • Vereinbarungen verbindlich treffen
  • Verantwortung klar zuordnen
  • Prozesse abschließen statt endlos zu verschieben

So entsteht psychologische Sicherheit, Entlastung und echte Zusammenarbeit.

Persönlich wachsen – beruflich profitieren

Disziplin hilft uns nicht, mehr zu leisten.
Sie hilft uns, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun.

Wer positive Disziplin entwickelt, erlebt:

  • mehr Fokus
  • weniger innere Zerrissenheit
  • mehr Selbstwirksamkeit
  • und echte Entlastung

Nicht, weil alles leicht wird – sondern weil es klar wird.

Mein Fazit: Disziplin als Einladung zur inneren Stärke

Disziplin bedeutet nicht, sich selbst zu übergehen.
Sie bedeutet, dem zu folgen, was wir wirklich wollen – nicht dem, was sich gerade bequem anfühlt.

Wer sich tiefer mit dieser Haltung beschäftigen möchte, findet weiterführende Gedanken in meinem Buch
Disziplin – Schlüsselkompetenz des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Nicht als Anleitung zur Härte.
Sondern als Einladung zur inneren Stärke – persönlich und im pädagogischen Alltag.

Verwendete Literatur:
Günster-Schöning, U. & Gölles, I. (2024). Disziplin, Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts.

Ursula Günster Schöning ist Prozessbegleiterin und systemische Organisationsentwicklerin, Senior-Coachin QRC und pädagogische Koordinatorin. Als Sozialfachwirtin, Erzieherin und Führungskraft war sie in der Elementarpädagogik tätig. 2006 gründete sie das Fortbildungsinstitut ERFOR und begleitet seitdem Teams bei Veränderungsprozessen. Zudem arbeitet sie als Weiterbildnerin, Speakerin, Moderatorin und Autorin.

Webseite: www.ursula-schoening.de | Mail: info@ursula-schoening.de

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